Wo will ich sein?

Sonntag, 30. März 2014

Gestern waren wir mit meinen Eltern unterwegs, unterhielten uns über Dies und Das und kamen irgendwann auf das Thema Auswandern und dass die romantische Vorstellung, die viele davon zu haben scheinen, eigentlich kaum funktionieren kann.

Denn irgendwie muss auch im neuen Land das Leben finanziert werden. Auch hier muss man arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Aber um ehrlich zu sein, habe auch ich schon das ein oder andere Szenario des Auswanderns durchgespielt. 

Ich gebe zu, dass mich mein derzeitiges Leben annervt. Ich arbeite täglich so viel, dass ich gerade mal 3,5 Stunden Freizeit habe, wenn ich abends nach Hause komme, die mit Abendessen, Hausarbeit und ein wenig Fernsehen belegt sind. Die Wochenenden sind dann effektiv zu kurz, um ein bisschen zu leben.

Mir fehlt in dieser Hinsicht die Mentalität anderer Länder. Die Mentalität der Schotten oder der Franzosen. Beide kenne ich sehr gut und kann mich besonders mit Letzterer identifizieren, da ich selbst zum Teil Franzose bin. Und bis meine Tante vor ein paar Jahren starb, war ich auch regelmäßig bei ihr und meinem Onkel in Frankreich. Ich genoss jedes Mal das Leben zwischen Ihnen, fühlte mich zuhause und sah, dass ein Leben auch anders, ohne Druck und dem ständigen Drang nach mehr, funktionieren kann.

Diese Mentalität besitzen auch unsere schottischen Freunde und wenn wir zu ihnen fahren, fühle ich mich sofort zuhause und angekommen.

Und da kommt natürlich irgendwann der Gedanke, ob man sich woanders evtl. wohler fühlen würde. Besonders, wenn man ganz tief im Inneren fühlt, dass man nicht in die Stadt, sondern ans Meer gehört. 

Wir leben in der Stadt, in einer großen Wohnung, mit Garten und einem Balkon, aber ich fühle mich nur am Meer so richtig zuhause. Und jedes Mal, wenn wir am Meer sind, sei es in Schottland, Frankreich oder bei unseren Freunden an der Ostsee, spüre ich eine besondere Verbundenheit, die ich nicht erklären kann. Ich spüre das Wilde, Unzähmbare und Unberechenbare, aber auch die Ruhe und Zufriedenheit, die mich erfüllen.

Und so spielt man diverse Szenarien durch. Ist man bereit, sich in ein Abenteuer ohne Sicherheiten zu stürzen? Oder würde gerade das Aufbringen dieses Mutes ein besseres Leben bereithalten? Mit gleichermaßen großen Hürden, die aber besser zu ertragen wären, wenn sie selbst gewählt sind und der Weg nur in der eigenen Hand liegt? Wenn die Mentalität eine andere ist und von Freundschaft, gegenseitiger Rücksichtnahme, uneingeschränkter Annahme des Gegenübers und Hilfsbereitschaft geprägt wäre?

Ein wirklich schwieriges Thema ...

Aber ich bin zumindest so weit, dass ich genau weiß, irgendwann am Meer zu leben. Ob dies nun hier in Deutschland oder aber in Schottland oder Frankreich sein wird, vermag ich noch nicht zu sagen, weil die Gedanken derzeit noch nach Sicherheit streben.

Liebe Grüße

Eure
Sjel

2 Kommentare:

Nicky A hat gesagt…

Hallo Sjel,
Spannende Gedanken, die du da hast und ja, ich kann bis zu einem gewissen Grad auch mitfühlen. Noch vor ein paar Jahren hatte ich ein so starkes Bedürfnis auszuwandern, dass ich teilweise geglaubt habe es wirklich nicht mehr auszuhalten. Das hat sich nun allerdings gelebt, nachdem ich eine Zeit lang im Ausland gelebt habe. Ich würde sogar behaupten, dass ich mir mittlerweile gar nichts mehr anderes vorstellen könnte, als in der Heimat zu leben. Für eine begrenzte Zeit ja, aber für immer, nein das wärs glaube ich dann doch nicht.

Zu wissen was man wirklich will ist manchmal gar nicht so einfach, da ist es schon mal ein grosser Schritt sich seinen Träumen wirklich bewusst zu werden. ich glaube es ist deshalb sicher ein ganz guter Weg, den du da gehst und gerade jetzt wo du weißt, dass es für dich das Meer sein wird. Auch wenn es jetzt noch nicht soweit ist, dennoch gibt es dieses Ziel vor Augen. :)

Liebe Grüsse
Nicky

Sjel Manen hat gesagt…

Hallo Nicky,

ich danke dir vielmals für deine Worte und Ausführungen :0) da bekommt man mal direkte Erfahrungen.

Liebe Grüße
Sjel

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