Wieviel braucht der Mensch?

Sonntag, 25. Januar 2015

Vor ein paar Tagen sah ich einen Bericht über 30 Menschen, welche in einer Wagenburg am Rande Lübecks wohnen und ich fand es spannend.

Spannend zu sehen, aus welchen Gründen diese Menschen ein Leben voller Entbehrungen gewählt hatten, was für sie überhaupt Entbehrung bedeutete und wie sie Freiheit beschrieben.
Dabei wurden diese Menschen 7 Tage lang von einer Reporterin begleitet, die für diese Zeit ebenfalls in einem Bauwagen wohnte.

Und am Ende fragte ich mich ernsthaft ... Wieviel braucht der Mensch eigentlich?

Denn immer wieder war der Tenor des Berichtes, dass man nur dann wirkliche Freiheit erfahren kann, wenn man alle Normen, Annehmlichkeiten und Habseligkeiten über Bord wirft. So beschwerte sich einer der Bewohner darüber, dass es ein paar Menschen in der Wagenburg gäbe, die doch tatsächlich noch arbeiten gingen, um sich ihre Nahrung kaufen zu können und etwas "exklusiver" zu leben.

Doch was bedeutet exclusives Leben? Fängt es schon damit an, Lebensmittel kaufen zu können, die man nicht anbauen kann? Oder dass man sich kategorisch dagegen verweigert in einer Grauzone zu wandeln und mitten in der Nacht containern zu gehen? Ist es verwerflich, sich mit der Außenwelt verständigen zu wollen und deshalb Internet in seinem Bauwagen zu besitzen?

Nach dem Bericht gingen mir viele Dinge durch den Kopf, denn ich hinterfragte, was ich mir vom Leben erhoffe, bzw. was für mich ein zufriedenes Leben ausmacht.

Auf der einen Seite denke ich, dass ein Leben ohne Tand und unnütze Dinge freier ist, man insgesamt ruhiger und glücklicher lebt, wenn man kaum Ausgaben im Monat hat. Aber möchte ich dafür auf Strom, heißes Wasser, eine gescheite Toilette und Wärme verzichten? Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, mir ständig eine Toilette mit 29 anderen teilen zu müssen oder eine halbe Stunde vor dem Duschen Holz zu hacken und einen Ofen für heißes Wasser zu befeuern. Oder nachts in meinem Bett wach zu werden, weil ich fürchterlich friere und erst einmal Holz nachlegen zu müssen, damit an weiteren Schlaf überhaupt zu denken ist. Besonders jetzt, wenn ich aus dem Fenster schaue und in dickes Schneegestöber mit 10 cm Schnee gucke. Da möchte ich nicht noch in meinem Heim frieren.

Natürlich genieße ich es, am Wochenende auf Mittelalterlager zu fahren und fernab jedweder Annehmlichkeiten und in den Tag hinein zu leben, aber ich genieße es ebenso, nach einem Lager unter die heiße Dusche zu springen oder mich in der Wanne lang zu machen, nicht mehr ewig warten zu müssen, bis das Essen fertig ist usw.

Aber möchte ich das 365 Tage im Jahr ohne jedwede Auszeit?

Sagen wir mal so ... mit Einschränkungen könnte ich mir ein minimalistisches Leben vorstellen. In einem Tiny Tack Haus, mit Toilette, Dusche, Stromanschluss und der Möglichkeit mich mit meiner Umwelt über Telefon oder Internet verständigen zu können.

Doch wäre es überhaupt so einfach, alles hinter sich zu lassen, wenn man mal ein Leben mit gewissen Annehmlichkeiten genossen hat? Würde ich nicht mehr arbeiten gehen, um die totale Freiheit zu erleben? Ich glaube nicht, denn ohne Geld stelle ich es mir äußerst schwierig vor. Vielleicht würde ich nicht mehr das tun, was mir meine Ausbildung "vorgeschrieben" hat, sondern mich dem widmen, was mich uneingeschränkt glücklich macht. Und dann auch nur noch so weit, dass Geld in die Kasse und man parat kommt. 

Aber was ist letzten Endes Freiheit? Was ist Zufriedenheit und uneingeschränktes Glück?

Nachdem ich letztes Jahr die Stelle gewechselt habe, kann ich guten Gewissens sagen, dass ich mit meinem Leben zufrieden bin. Und ich fühle mich auch frei, weil ich einfach nicht mehr von morgens 8 bis abends 18:30 auf der Arbeit sitze und nur eine halbe Stunde Mittag habe. 

Aber würde das auch anderen reichen, um sagen zu können, dass sie zufrieden und frei sind?

Was meint ihr? Wieviel braucht der Mensch? Was ist in euren Augen Freiheit und Glück?

Liebe Grüße

Eure
Sjel

1 Kommentare:

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Sjel, für mich persönlich gehts auch gar nicht ums "brauchen" sondern einfach ums "sich gönnen wollen". Und dazu gehört für mich ein gemütliches und warmes Heim genauso, wie ich z.B. persönlich nicht nur abgetragene Klamotten von Second-Hand-Shops anziehen möchte. Ich möchte auch weiterhin eine gewisse Summe zur Verfügung haben, einfach weil ich mir mein Leben dadurch etwas angenehmer gestalten kann. Ich finde daran nichts verkehrt.

Und die "totale" Freiheit - hat man die wirklich nur, wenn man nicht mehr für andere arbeitet? Ich halte das für Einstellungssache und auch für eine Lernaufgabe. Wenn ich mich z.B. auf der Arbeit nicht mehr wohlfühle oder mich unfrei fühle, dann muss ich überlegen, warum das so ist und was ich daran ändern kann. Einfach alles aufgeben um einem Gefühl zu entkommen (oder es zu bekommen), wäre jedenfalls nicht mein Weg.

Letztendlich ist Freiheit für jeden etwas anderes. Wie schön, dass Du mit Deinem Leben zufrieden bist. Das finde ich eine tolle Aussage die doch zeigt, dass es auch andere Mittel und Wege als den totalen Verzicht gibt.

Lieben Gruss
Clara

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