Der Wald stirbt

Sonntag, 6. Dezember 2015

Immer, wenn ich zur Arbeit fahre, muss ich durch ein Stück Wald. Es ist eine sehr schöne Strecke, die sich serpentinenartig den Berg hinauf, durch den Wald schlängelt. Die Bäume dieses Waldes sind groß, alt und stark und es geht eine enorme Kraft sowie Energie von ihnen aus. Sie stehen dicht an dicht und jedes Mal, wenn ich den Wald passiere, spüre ich seine Kraft, die mich regelrecht auflädt.

Nun war die Strecke über 3 Monate gesperrt, da der Straßenbelag komplett erneuert werden soll und man mit den ersten Arbeiten, bzw. einem Teilstück der Strecke beginnen wollte, bevor es Winter wird. Sobald im nächsten Jahr der Frühling kommt, soll es weiter gehen. Für weitere 8 Monate.
Seit Anfang vergangener Woche ist die Strecke nun wieder befahrbar und mich traf fast der Schlag. Man hatte einen Großteil der Bäume gefällt, da die Straße verbreitert werden und noch eine Art Bürgersteig gebaut werden soll. Alles war ratzekahl, so dass man bis ins Tal schauen konnte. Ein erschreckender Anblick und man spürt die gähnende Leere.

Ein paar Bäume durften stehen bleiben, aber nun ist nichts mehr wie früher. Die restlichen Bäume leiden und es ist ein beklemmendes Gefühl, nun dort her zu fahren. Nichts ist mehr von der Kraft, von der Energie und der Freude in diesem Wald zu spüren. Die Bäume, die noch stehen, wurden ihrer Erde beraubt und es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis sie beim nächsten Unwetter umfallen, wie Streichhölzer. Zudem habe ich erfahren, dass man im nächsten Jahr, wenn es mit den Bauarbeiten weiter geht, noch einen Teil des Berges sprengen wird, damit auch das zweite Stück verbreitert werden kann.

Ich bin wirklich schockiert, denn ich verstehe nicht, was das alles soll. Wozu muss eine Strecke verbreitert werden, die bisher wunderbar funktioniert hat? Sie war nie so schmal, dass eine solche Aktion gerechtfertigt wäre, denn es passten problemlos ein Bus oder LKW und ein Auto an einander vorbei. Zumal es eine Ausweichstrecke gibt, die über die Autobahn führt und eigentlich von LKW's benutzt werden soll. Aber natürlich hält sich kein Schwein daran, denn es ist ja bequemer den direkten Weg zu nehmen, auch wenn diese Bequemlichkeit solche Konsequenzen nach sich zieht.

Es wird immer groß über Umweltschutz lamentiert, aber letzten Endes sind es genau diese Dinge, die mir zeigen, dass keiner der Obrigkeiten auch nur ein bissl Verstand hat und sich ernsthaft Gedanken machen würde. Hier geht es wie immer nur um Geld, Zeit, Geschwindigkeit und Masse. Wer oder was dabei auf der Strecke bleibt, ist denen egal. Hauptsache der Rubel rollt.

Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man den Planeten so arglos zerstören kann und sich dann noch wundert, dass alles den Bach runter geht.

Traurige Grüße

Eure
Sjel

6 Kommentare:

Sandra hat gesagt…

Leider gibt es haufenweise Menschen denen die Umwelt egal ist. Die wollen nur Profit und Konsum. Und das ist wirklich traurig. Auch wenn ich nicht weiß ob ich nach diesem Leben noch mal wiederkommen kann, will ich trotzdem denen, die nach mir kommen, einen gesunden Planeten hinterlassen. Es ist wirklich traurig....

Sjel Manen hat gesagt…

Da hast du absolut Recht Sandra.
Ich danke dir für deinen Kommentar und wünsche dir einen wunderbaren 2. Advent.

LG
Sjel

Luana Wiesentau hat gesagt…

Dazu kann ich nur eins sagen: Ich hasse Menschen
Ich fühle den Schmerz in Dir und in der Natur. Wann fangen die endlich mal an sich zu ändern?
Das stimmt mich einfach nur traurig
DRück Dich lieb

Sjel Manen hat gesagt…

Ich danke dir Luana,
es ist so schrecklich, durch diesen Wald zu fahren und nichts mehr zu spüren, obwohl es einst anders war.
Ich drück dich.
LG
Sjel

athena hat gesagt…

Das ist so traurig... :( Leider lese ich sowas in letzter Zeit tatsächlich öfter...

Sjel Manen hat gesagt…

Es wird immer mehr und man fühlt sich so hilflos ...

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