Alleinsein und Spaß dabei

Mittwoch, 6. Januar 2016

Vor ein paar Tagen las ich einen wunderbaren Artikel bei der lieben Clara, der mich in einer besonderen Passage sehr ansprach. In dieser Passage schreibt Clara darüber, dass man nicht zwingend einsam sein muss, wenn man alleine ist. Und dem nicht genug, brachte mir Herr Manen einen tollen Kalender für 2016 mit Meeresmotiven mit, auf welchem folgendes Zitat steht: "Wer gut allein sein kann, ist nie einsam".

Und das sehe ich genauso. Viele verwenden die Worte "Allein" und "Einsam" immer wieder als ein und das selbe Wort, doch könnten die beiden Wörter nicht unterschiedlicher sein. Wenn ich allein bin, heißt das lediglich, dass ich gerade niemand um mich herum habe. Ich kann tun und lassen was ich möchte, leide aber nicht darunter und es sind keine Gefühle im Spiel. Erst wenn ich mich einsam fühle, kommen Gefühle ins Spiel und die sagen mir dann, dass ich abgeschieden oder von anderen Menschen getrennt wäre. So etwas sagt auch der Duden, doch obliegt es doch letztlich mir, ob ich allein bin oder einsam.

Denn auch wenn ich allein bin, habe ich ganz tolle Gesellschaft ... Nämlich mich selbst. Wenn ich mich dagegen einsam fühle, verschmähe ich sogar meine eigene Gesellschaft und weiß nichts mit mir anzufangen.

Verrückterweise muss man das Alleinsein aber auch erst mal üben. Besonders dann, wenn man von Klein auf Menschen um sich herum hatte, mit denen man tolle Dinge unternehmen konnte und die immer präsent waren. Im Kindesalter sind das meist die Eltern und Geschwister oder die ersten Freunde aus dem Kindergarten sowie der Grundschule. Irgendwann kommen dann die beste Freundin, die Clique usw. dazu, wenn man erst einmal der Grundschule entwachsen ist, die Pubertät anrückt und die Eltern damit schwierig werden ;0) Dann sind auch meist die Geschwister doof, weil jünger als man selbst und die verstehen einen noch weniger als die Altvorderen oder weil älter als man selbst und dann gescheite Ratschläge verteilen, mit denen man in der Zeit der Hormone so garnichts anfangen kann. Ist man dann der Pubertät entkommen, wird das andere Geschlecht interessant, man beginnt auszugehen, neue Leute kennenzulernen, eine große Clique zu bilden usw. Und wenn dann noch recht zeitnah der Märchenprinz oder die -prinzessin dabei ist, geht es ganz schnell mit gemeinsamer Wohnung, Heirat usw. Da ist es schon manch einem passiert, dass er von der elterlichen Fürsorge nahtlos in die Fürsorge des Gatten oder der Gattin übergegangen ist.

Ich persönlich zähle mich jedenfalls dazu. Aufgrund von Ausbildung und Studium zog ich nahtlos  vom elterlichen Haus mit jüngerer Schwester und großer Clique in die gemeinsame Wohnung mit meinem heutigen Mann. Die Clique blieb bestehen, das gute Verhältnis zu den Eltern und der Schwester auch und so war das Ding mit dem Alleinsein mit Mitte Zwanzig Geschichte.

Ich habe also nie gelernt, allein zu sein. Was rückwirkend betrachtet echt blöd war, denn mein Mann kann gut alleine sein und hat Spaß dabei, während ich mich bisher immer fürchterlich gelangweilt habe, wenn ich mal allein sein musste. Da war der Anruf bei der nächsten Freundin vorprogrammiert, denn Langeweile ist doof und man braucht schließlich wen zum Quatschen. 
Aber Herr Manen hat es auch gelernt. Er zog aus dem elterlichen Haus erst mal in die Kaserne. Wehrdienst ableisten, was wohl schon viel ausgemacht hat. Danach wohnte er eine zeitlang alleine, bis seine damalige Freundin in sein Leben stolperte. Bevor jedoch ans Zusammenziehen gedacht werden konnte, war sie schon wieder weg. Also blieb der Gatte alleine wohnen, bis moi in sein Leben rauschte. Und so hat er kein Problem damit, wenn die Gattin mal außer Haus ist. Ihm fällt dann immer etwas ein, womit er sich beschäftigen kann, geht weg usw. 

Herrje, wie ich das beneide.

Aber damit ist jetzt Schluss ... 

Schon 2015 habe ich damit begonnen, immer mal wieder etwas allein zu unternehmen. Anfangs waren es die kleinen Dinge, wie ein Stadtbummel, ein Eis nach der Arbeit usw. Dann kamen Tage in der Sauna dazu und auch fuhr ich mal übers Wochenende weg. Zwar verband ich das dann meist mit Arbeit, aber ich war allein. Kein Mann, keine Freundin, kein mir sonst bekanntes Gesicht in meiner Nähe und damit auch Gelegenheiten, die Abende allein zu gestalten und auszugehen. 
Und siehe da, es ist garnicht so schwer, wenn man sich als alleinige Gesellschaft akzeptiert. Es macht sogar richtig Spaß und erfüllt, wenn man sich darauf einlässt. Denn endlich kann man all das tun, was man mit Partner oder Freunden vielleicht nicht machen kann, hat dabei alle Zeit der Welt und muss vor niemand Rechenschaft ablegen, warum man gerade so oder so agiert, bzw. reagiert hat. Eine wirklich feine Sache.

Also versucht es einfach mal, denn ein paar Stunden, Tage oder Wochenenden allein schaden niemand und bewahren dich vielleicht vor der Einsamkeit.

Liebe Grüße

Eure
Sjel

2 Kommentare:

athena hat gesagt…

Zunächst mal wünsche ich Dir ein wundervolles, frohes und segenreiches neues Jahr!
Dann möchte ich sagen dass ich stundenweise Alleinsein oder auch mal einen ganzen Abend durchaus zu genießen gelernt habe.
Einsam kann man schließlich auch in Mitten von etlichen Leuten sein.
Aber allein ist man sich einfach genug und tut das, was man selbst wirklich gerade möchte.
LG

Isa hat gesagt…

Ich wünsche Dir ein gutes neues Jahr 2016. Ja, Alleinsein ist oft sehr schwer. Weil wir es am Ende nie wirklich sind. Ich bin gespannt, wie Du damit zurecht kommst. Viel Erfolg. bb Isabeau

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